• Akademischer Segler-Verein zu Rostock e.V.,Uferpromenade 1, 18147 Rostock

Die Geschichte der SY Shanty

Dies ist die Geschichte der Segelyacht SHANTY, soweit sie uns bekannt ist. Die Recherchen sind noch nicht ganz abgeschlossen.
Einige Texte sind zum Teil der in Arbeit befindlichen Chronik entnommen und gekürzt.Das Titelbild des diesjährigen Jahresheftes war das Titelfoto der
Zeitschrift „Segelsport“ Nr. 7 vom 6. Juni 1954 mit der Unterschrift: „Die Seekreuzerflotte an der Küste hat in den letzten Jahren wieder zugenommen. Unser Bild zeigt den Seefahrtkreuzer „Shanty“ aus
Warnemünde, der 1953 gebaut wurde und mit zu den seetüchtigsten und schnellsten Booten gehört.“

DER BAU UND DIE ERSTEN JAHRE

Dirk Schietke

Auftraggeber der SHANTY war der heute in Hamburg lebende und aus Stettin stammende Architekt Egon Zschischang. Zusammen mit Wilhelm Bey, dem technischen Leiter der Warnowerft, bestellten er zwei Nationale 30er Seefahrtskreuzer, die SHANTY und die ASGARD bei der Werft von Hans Rhode in Ribnitz. Dieser betrat damit Neuland, weil die SHANTY seine erste Yacht war und auch die erste neue Kielyacht in Rostock nach dem 2. Weltkrieg.

Der Riß, der Einrichtungsund der Segelplan sind aus dem Buch „Yachtbau“ von Artur Tiller kopiert worden. Die Arbeiten an der SHANTY begannen nach Angaben der Tochter von Herrn Rhode am 16.09.1952. Der Kiel wurde zwischen dem 21. und 27.09. 1952 gestreckt. Herr Zschischang bezifferte aus der Erinnerung den Kaufpreis auf etwa 6000 Mark.

Kiel, Spanten und Unterwasserbeplankung bestehen aus Eiche, die Überwasserplanken aus Lärchenholz. Die Scheuerleiste war direkt in der Bordwand mit eingelassen. Die Kupfernieten wurden selbst aus alten Stromkabeln gefertigt, Nietköpfe gestaucht, und die Nietscheiben aus dem Kupferblech von Auftriebskörpern aus alten Rettungsbooten gestanzt. Wanten und Stagen bestanden aus den Ankertauen von Seeminen. Die große Achterklampe scheint der einzigste Decksbeschlag zu sein, der bis heute auf der SHANTY ist.

Nachdem das Deck der Shanty dicht war, wurde sie aus der Halle ins Freie befördert. Die gußeisernen Kiele für die Shanty und die Asgard konnte Wilhelm Bey über seine Werftkontakte beziehen. Die Anstricharbeiten wurden durch Herrn Zschischang selbst durchgeführt. Der Außenhaut über Wasser wurde solange gebeizt, bis sie „mahagoniefarbig“ war. Die Auslieferung erfolgte ohne Innenausbau. Die Segel (1 Groß und eine Fock ) wurden bei der Segelmacherei Schröder in Rostock (früher Stettin) bestellt und geliefert. Bei der Wasserung ging die noch nicht kalfaterte Shanty so wie sie zu Wasser gelassen wurde unter. Herr Rhode sagte zu Herrn Zschischang, wenn er am Wochenende komme um sie zu holen sei sie dichtgezogen. Trotzdem brachte Herr Zschischang eine alte Flugzeugkraftstoffpumpe als Lenzpumpe mit. Diese war beim Überführungstörn nach Warnemünde auch sehr viel in Betrieb. Also wurde die Shanty in Barhöft an der Pier so vertäut, daß sie nicht weiter absacken konnte. Dann organisierte die Crew Sägespäne. Mit diesen wurde bei einem Bad (um die Osterzeit!) die Plankennähte von außen bestrichen.

Das hielt etwa bis Darßer Ort, danach wurde bis Warnemünde gepumpt, wo die SHANTY auf einen Ponton gestellt und kalfatert wurde. SHANTY hatte auch als eine der wenigen Yachten schon Schotwinschen für die Fock. Sie waren auf dem Kajütdach angebracht, dort wo sich jetzt die Reffwinschen befinden.

Die Frage der ersten Segelnummer in den ersten Jahren der SHANTY führte zu einigen Gesprächen zwischen Herrn Zschischang und mir. Als die SHANTY gebaut wurde, bekam sie die Segelnummer „7/9“. 1953 wurde Nummernsystem an das Westdeutsche angepaßt und SHANTY bekam die Nummer „III G5“ (ihr Schwesterschiff ASGARD hatte die „III G6“). Auf dem Titelfoto des „Der Segelsport“, Nr. 7 vom 06. Juni 1954 ist die SHANTY mit der neuen Segelnummer „III/G5“ zu sehen. Da jedoch zwischen Ost und West keine Abstimmung der Nummern erfolgte, kam es vor daß bei gelegentlichen gesamtdeutschen Regatten plötzlich 2 Yachten mit gleicher Segelnummer aufkreuzten. Bis Herr Zschischang 1956 die SHANTY verkaufte, fuhr sie unter „III G5“. Im Logbuch ab 1958 ist sie wieder mit der Segelnummer „7/9“ geführt. Wahrscheinlich wurde in dieser Zeit das alte Nummernsystem wieder eingeführt.

Zusätzlich wurde an der Bordwand und im Segel das Kennzeichen“WA .S-600“ angebracht. „WA.S“ stand für Warnemünde und Segelboot. Eine Neuerung an der SHANTY war der aus Panzerrohr gebaute Bugkorb, ein Novum in Warnemünde. Nach Angaben von Herrn Zschischang war es aber nicht ratsam, sich an der von den Warnemündern scherzhaft „Brötchenkorb“ genannten Konstruktion festzuhalten. Dafür verfügte die Shanty in den ersten Jahren weder über einen Kompaß noch einen Motor.

Probleme gab es manchmal auch, die baumwollenen Segel zu trocknen. Dazu wurde der noch nicht ausgebaute Rumpf der SHANTY genutzt. Erst nach und nach wurden mit Kistenholz Kojen eingebaut. In den folgenden 3 Jahren (Herr Zschischang verkaufte die SHANTY im Herbst 1956 an Hans Schleuse) segelte Herr Zschischang alle Regatten, z.B. Frühjahrsregatten, Ostseewochen, Travemünder Wochen, Herbstregatten, Regatten in Wismar usw. mit.

Allerdings, so erzählte er: „kannte man mich hier bald, weil ich immer als letzter durchs Ziel ging“, weil die Shanty nicht genug Höhe lief. Das war auch der Grund, warum er ein neues Schiff in Auftrag gab, mit der er kurz vor dem „Mauerbau“ nach Fehmarn floh.

DIE SHANTY ALS IRIS

Dirk Schietke

Im Herbst 1956 wurde die SHANTY von Hans Schleuse gekauft und in IRIS umbenannt. Die Informationen aus dieser Zeit stammen hauptsächlich von Egon Zschischang (u.a. die ersten Farbaufnahmen der SHANTY) und aus den Logbuch von 1958 bis 1964 und dem Bordbuch von 1962 bis 1964 (von Herrn Manfred Achtenhagen).

Laut dieser beiden Dokumente war die Shanty zu dieser Zeit noch naturfarben, „mahagonifarbig“ wie es im Bordbuch vermerkt ist. Die Segelnummer war „7/9“, die Registriernummer E-1-1243, der Liegeplatz Warnemünde, Alter Strom, Mittelmole bei der Segelsektion Motor Warnemünde. Im Bordbuch ist als zum Führen des Bootes berechtigte Person neben Hans Schleuse Friedrich Weidemann eingetragen. Das Logbuch berichtet von einigen Teilnahmen an Regatten, wie der Ostseewoche und Tagestörns, wobei die recht ausführliche Logbuchführung eine interessante Lektüre bietet (wenn man sich in die Handschrift von Herrn Schleuse eingelesen hat).

DIE SHANTY UNTER HEINZ ACHTENHAGEN, TEIL 1

Dirk Schietke

Die Log- und Bordbucheintragungen 1964 weisen Heinz Achtenhagen als Schiffsführer aus, also scheint der Kauf zwischen Oktober 1963 und Mai 1964 stattgefunden zu haben. Vorerst blieb die Segelnummer „7/9“. Ob die SHANTY sofort nach dem Kauf wieder ihren alten Namen erhie lt ist nicht klar, da die Eintragungen im Bordbuch nicht geändert wurde. Im Logbuch vom 11.9.1964 bis 16.5.1967 ist sie wieder als SHANTY benannt. Die Änderung der Segelnummer in „GO1“ (GO steht für Germany Ost) muß in diesem Zeitraum stattgefunden zu haben, denn im Logbuch sind beide Segelnummern vermerkt.

Leider führte Herr Achtenhagen das Logbuch nicht so ausführlich wir Herr Schleuse, so daß aus dieser Zeit nicht viel bekannt ist. Die Eintragungen im Logbuch von 1964 bis 1967 beschränken sich meist auf Datum des 1. Törntages, Fahrtziel und Besatzung.

1965 wurde u.a. ein Törn nach Swinoujscie (Swinemünde) mit Heinz und Irmgard Achtenhagen sowie dem Sohn Manfred unternommen. 1966 nahm laut Logbuch auch der damalige Stabschef der Volksmarine Fritz Elchlepp teil. 1967 enden die Eintragungen in diesem Logbuch. Laut Dittmar muß die SHANTY in den Jahren 1967 bis 1969 auf dem Trockenen gestanden haben.

UNSERE GOLDENEN SIEBZIGER JAHRE AUF DER SHANTY

Dittmar Kirsten

Am Anfang stand die Entscheidung Ofen oder Sanierung. Das Schiffchen war durch drei Jahre trocken stehen so ausgetrocknet, daß man kleinere Pakete zwischen den Planken hindurch stecken konnte. Nie – so meinten Experten – bekommt Heinz Achtenhagen seinen Pott wieder richtig dicht, höchstens mit diesem neumodischen Kram – Epoxidharz und Glasmatte. Manfred hatte soeben die UNIVERSITAS damit gerettet. Heinz hatte keine Zeit und kein Geschick für solche Arbeit und Maus und ich waren verliebt in das schlanke Schiff, daß ja früher einige Regatten gewonnen hatte. Mit unserem WODAN ging es immer nur darum, vom Schwanz des Regattafeldes herunter zu kommen. Ein Platz im Mittelfeld war immer das selten erreichte Ziel. Kreuzen, das die meiste Zeit beanspruchte, mochte der olle WODAN nicht so recht und der Helfer der „Dicken“ von heute – eine Maschine – kannten wir nicht. Für einige Jahre mal ein schnelles Schiff segeln – dafür wollten wir uns gern einmal richtig ins Zeug legen.

Zwischen der HSG Sektion Segeln und Herrn Achtenhagen wurde deshalb ein Vertrag ausgehandelt. Wir wollten die SHANTY sanieren und sie dafür fünf Jahre wie ein Vereinsschiff segeln, mit Ausnahme von drei Wochen, in denen Heinz Urlaub auf dem Schiff machen möchte. Meine WODAN-Mannschaft hatte nun die Wahl – bleiben oder umsteigen in die Arbeit. Die gute Hälfte stieg über. In der Reparaturzeit segelten sowieso noch alle WODAN. Das Arbeitsprogramm hatte es in sich. Es gab außer einer elektrischen Bohrmaschine keine Technik. Alles Handarbeit. Das Schiff war abzuhobeln, zu Schleifen, die Nähte zu säubern, zu weiten und mit Holzleisten zu verkleben, Planken zu flicken, dasselbe am Totholz und Deck. Relingleiste und Scheuerleiste machte uns Karl Behnke neu. Der Innenausbau mußte gänzlich heraus und neu samt Maststuhl und die Kajüte wurde bis vor den Mast verlängert.

An der Ausrüstung war fast alles zu ersetzen. Heinz kam dann immer noch mit Sonderwünschen – aber der olle, wirklich schrecklich schwere Vollholzmast mußte bleiben. Wir hatten nur gut 10.000 Mark zur Verfügung und mußten auch jede Stunde Bootsbauarbeit von Karl Behnke extra von der Leitung erbitten. Für das Deck blieb dann aus Geld- und Zeitgründen nur ein Plasteüberzug.

Im Mai 1972 war SHANTY wieder seeklar – mit einer Crew voller Hoffnung. Schnell war sie wirklich – unser neuer Schatz. Es reichte zwar anfangs nicht für einen Regattasieg, aber im ersten Drittel des Feldes landeten wir auf Anhieb. Später dann 1974 wurden wir sogar DDR-Meister!

Wie eine echte Dame wollte unser Schiff erobert werden und zeigte Mucken. Dicht geratterte Schoten und maximale Höhe am Wind mochte sie überhaupt nicht. Ein Schrick in der Schot jedoch machte sie zum Renner. Unsere alten Segel und der schwere, dicke Mast erklärten das. Die Crew hatte es auch in sich, eine Sammlung junger Käuze. Hans (Rautenberg) z.B. unser Navigator und 2. Wachführer machte sich meiner Auffassung nach recht wenig Sorgen um den Schiffsort – damals ohne Satellitennavigation eine schwer bestimmbare Stelle auf der Karte. Zur Rede gestellt zeigte er mit der Zirkelspitze auf die Karte und legte ihn fest. Das er immer stimmte ist kein Wunder, aber sein Geheimnis. Geschwindigkeit, Abdrift und Strömung konnte er genau einschätzen.

Peter (Hempel) war unser Lebenskünstler. Wenn er Platz im Schiff benötigte, zog er die Schuhe aus und ließ die Socken stinken. Bei schwerem Wetter waren Hans und Peter meine besten Leute an Deck. Angst hätte ich erst zeigen müssen, vorher hatten die keine Bedenken.

Klaus (Brandt Ê), der jüngste war am begeisterungsfähigsten. Dauernd kamen Änderungsvorschläge, einige gute auch. Uwe (Hähnchen) war ein guter Ausrüster und Proviantmeister, weil auch ein guter Esser. Leider kam der durch Seekrankheit oft nicht zum Zug. Sein Humor half uns aus mancher Krise. Hartmut (Schäfer) – fast so jung und neu wie Klaus lernte bei uns segeln , ich denke gut und gründlich. Seine Bescheidenheit und Ausgeglichenheit waren wichtig für das Bordklima. Leichtsinnig ging er aber bei Windstärke 8 am Strand von Wladyslawowo (Ellerwald) baden. Ohne seine rettende Crew wäre er heute noch bei den Fischen.

Wolfgang (Jurgeleit) – über ihn könnte man ein Buch schreiben – immer gute, ehrliche Vorsätze, freundlich aber schwach, wenn Alkohol in Sicht kommt oder die Realisierung ansteht. Er ist absolut seefest, sehr geeignet für die Kombüse. In dieser Hinsicht! Bei Schwerwetter zu tapsig und gefährlich an Deck. Juri hatte fünf Großmütter, die starben immer, wenn er nicht zum Schiff kommen konnte oder wollte. Der Umgang mit stinkendem DDR-Petroleum und dem Proviant gleichzeitig mußte ständig kritisiert werden. Wir mochten ihn nicht, den Petroleumgeschmack am Essen! Einmal, wir hatten ihn gerade hygienisch so richtig getrimmt und lobten seine Kombüse, stieg Peter in Greifwald zu. Peter war hungrig und fragte nach Essen. Er erhielt den ersten Schlag Makaroni und postwendend hatte ihn Juri vor dem Latz. Nach Großmutters Rat – es lebte wohl immer noch eine – hatte er drei Eßlöffel Salz statt drei Prisen an Essen gegeben.

Elfriede und Dittmar (Kirsten) – mein Weib und ich. Ja – wenn sie an Bord war – sie war es zuwenig wegen der kleinen Ute und Katrin – gab es wunderbares Essen und mehr Kultur.

Ich war der Segeleinsteller, Kursfestleger und Crew-Zusammenhalter – sehr glücklich mit meinem bunten Haufen.

Vier Jahre segelten wir die SHANTY und uns. Ich glaube, wir kennen uns so gut wie Geschwister. Danach wurde die SHANTY ein Jahr vorfristig an Heinz Achtenhagen zurückgegeben, denn wir bauten inzwischen den RASMUS und wollten nun Hiddensee segeln, eine Einheitsklasse ohne die lausige Zeitvergütung. Das die HSG die SHANTY später von Heinz Achtenhagen kaufte unter gründlich unter Klaus (Fethke) weiter sanierte bedeutet für mich eine besondere Freude. So konnten Elfriede und ich mit ihr und dem Liebespaar Andrea und Jens 1998 durch die Ostschären Schwedens nach Stockholm segeln. Es war eine traumhaft schöne Reise.

REPUBLIKFLUCHT AUF DER SHANTY

Dirk Schietke

Im August 1971 oder 1972 floh der Sohn von Heinz Achtenhagen, Manfred Achtenhagen mit der SHANTY nach Gedser. In einem Gespräch mit Herrn Achtenhagen erzählte er, wie er es schaffte, die Grenzer auszutricksen. An dem Tag herrschte schönstes Segelwetter und 5 Windstärken. Zuerst wurde der Kurs so gewählt, daß die auf Reede liegenden Schiffe zwischen der SHANTY und dem Kontrollpunkt lagen, um das optische Erkennen des Fluchtversuches möglichst hinauszuzögern. Das „diensthabende“ Grenzboot war zu dem Zeitpunkt gerade mit einem Boot vom Bundesgrenzschutz beschäftigt und bemerkte die Flucht nicht oder konnte nicht eingreifen.

Nach Erzählungen damaliger Vereinsmitglieder hatte Manfred Achtenhagen zu einem Segeltörn vor Warnemünde einen Freund mit an Bord geschmuggelt. Mit diesem überwältigte und fesselte er seinen Vater Heinz Achtenhagen, der damals die Position des 2. Parteisekretärs der Universität inne hatte. In Gedser wurde er vor die Wahl gestellt, im Westen zu bleiben oder wieder zurückzusegeln. Herr Heinz Achtenhagen segelte die SHANTY Einhand zurück. (Diese Information beruhen auf dem Hörensagen nicht beteiligter Personen und konnten von mir nicht überprüft werden.)

DIE SHANTY UNTER HEINZ ACHTENHAGEN, TEIL 2

Dirk Schietke

Die Quelle dieser Informationen ist das persönliche BDSFahrtenbuch von Heinz und Irmgard Achtenhagen, das 1974 beginnt. Es beschreibt Urlaubstörns in den Gewässern um Rügen, in denen ohne PM18 gesegelt werden durfte sowie die Überführungstörns von und nach Rostock Für 1977 und 1978 sind keine Einträge im Bordbuch vermerkt. 1979 sind nur 3 Törns vermerkt, vom HSG-Steg zum Schnatermann, vom HSG-Steg nach Groß Klein und das Absegeln zum Schnatermann am 13.10.. 1980 ist u.a. eine Überführung nach Stralsund zur Vermessung aufgeführt. 1981 sind nur das Ansegeln am 05.06. und die Überführung der SHANTY nach Stralsund eingetragen. In diesem Jahr wechselte die Segelnummer von „GO 1“ auf „DDR 1“. Also ist unser jetziges Reserve -Großsegel mindestens 23 Jahre alt, denn in ihm kann man noch an den Nadelstichen erkennen, wo früher das „GO 1“ befestigt war. Im Dezember 1981 kaufte die HSG die SHANTY. DIE HSG ALS EIGNER Dr. Klaus Fethke Der Kaufvertrag trägt das Datum vom 15.12.1981. Der Kaufpreis war mit 15000 M ausgehandelt und wurde aus dem Verwahrgeldkonto der Sektion Segeln der HSG entnommen. Als „Macher“ hat sich Klaus Fethke gefunden, der seit 1969 den Jollenkreuzer STEINBUTT segelte und seit 1973 auf der BUK und später der UNIVERSITAS das Seesegeln lieben gelernt hat. Unser Bootsbauer Heinz Behnke begutachtete die an Land stehende SHANTY und brach bei der ersten Besichtigung im Cockpit ein. Die Wanne aus Kupferblech war zwar heil, aber die Stützhölzer morsch. Ebenso fanden sich im Achterschiffbereich morsche Decksplanken. Das komplette Deck inklusive Kajüte war in Matte und Polyester überzogen und darunter vergammelte das Holz. Der ganze Überzug mußte entfernt werden, auch das Vorluk, das Achterluk, die Cockpitschwanzenden und die Kajütfenster kamen raus, weil das Holz unter den Rahmen verfault war und auch der größte Teil des Außenhautüberzugs (Epoxi-Glasmatte) war lose und wurde entfernt. Das waren Arbeiten, die bereits im Herbst und im beginnenden Winter 1981/82 erledigt wurden. Der in Polyester und Glasmatte eingewickelte Mast war gerissen, unendlich schwer und es gammelte unter der Matte erheblich. Heinz Behnke begann seine tolle Arbeit mit einem neuen Cockpit nach unseren Vorstellungen, also wesentlich größer als zuvor. Die Gestaltung wurde stark an die sehr praktikable Lösung, wie sie bei der UNIVERSITAS vorhanden war, angelehnt. Als neuer Mast kam ein früher von der Jacht BUK genutzter 5.5-er Mast in Frage. Spannend bei solchen „Erbstücken“ ist natürlich immer die Frage, warum hat man den Mast auf der BUK nicht mehr benutzt? Aber diese Frage trat immer mehr in den Hintergrund, je näher die nächste Saison kam und an einen Neubau oder Neukauf nicht mehr zu denken war. Der Mast erhielt einen Überzug aus Glasgewebe und Epoxidharz. Die selbst formulierte Auflage war, daß das herrliche Holz sichtbar bleiben mußte. Der Großbaum wurde gleichfalls neu gebaut. Ein neues Steckschott und ein Schiebeluk aus Polycarbonat, eine Eigenbau- Lenzpumpe aus Messing und ein neuer Kompaß samt Halterung aus Messing, eine neue Seereling aus Niro und ebenso Bug- und Heckkorb und nicht zuletzt vier neue Winschen gaben der Shanty ein neues Gesicht, das auf den Regattabahnen 1982 für Aufsehen sorgte. Ja, wir haben es tatsächlich geschafft, die sen doch erheblichen Arbeitsaufwand in einem Winter zu bewältigen und waren glücklich. Weniger erfreulich waren die Erfolge auf den Regattabahnen die wir errangen. Das man hinter uns immer schon die Wendemarken einsammelte, zermürbte die neue Truppe schon ein wenig. Um so größer war die Freude über einen 4.Platz bei der Boddenetappenregatta vom 27. bis 29. August 1982 in Greifswald und ebenso einen 4. Platz bei der Tonnenregatta Greifswald - Warnemünde mit der Besatzung Klaus Fethke, Thomas Holzapfel, Torsten Holst, Jörg Stark ( Leuchtturm) und Jens Bischoff (Dickschicht). Das war ein schöner Lohn für die viele Arbeit in diesem Jahr und gab den nötigen Auftrieb für weitere geplante Umbauten.. Nach der Boddenetappenregatta entstand der Schlachtruf: „SHANTY segeln heißt erfolgreich sein“. Und das sollte nun im folgenden Jahr gelingen.

Das zunächst folgende Winterhalbjahr 1982/83 brachte der Shanty ein neues Ruder und der gesamte Innenausbau wurde neu gestaltet. Eben so, wie es auf den anderen Vereinsschiffen aussah. Achtern zwei Hundekojen, auf Stb. folgt der Kartentisch, gegenüber auf Bb. der Kocher, im Salon zwei Kojen, Schwalbennester, Gläserschrank am Frontschott und eine Back. Zum Vorschiff ein Schrank für den guten Zwirn und im Vorschiff kann man schlafen, wenn keine Segelberge drin verstaut sind. Das Besondere war ein neues Großsegel und zwei neue Spinnakerbäume kamen hinzu. Aber mit den Erfolgen war noch nicht ganz so, wie wir es uns gedacht haben. Immerhin sprang ein 5. Platz bei der Ostseewoche heraus. Verstärkt wurde die Mannschaft in diesen Jahren durch Bernd Lange und Egon Maier, die den Vierteltonner BOE ausbauten sowie durch Joachim Knospe als Chefnavigator und Ruhepol der Truppe.

Dann das Jahr 1984. Eine neue Genua hat der kleine „Ganter“ für uns geschneidert und damit werden wir DDR-Meister in der Klasse IOR VI. Küstenwettfahrt, Boddenetappenregatta oder Tonnenregatta, immer waren wir auf dem Treppchen. Klaus Gelhaar und Torsten Zellmer kommen erstmals bei der Boddenetappenregatta mit. Das Jahr 1985 bringt viel Aufregung mit sich, denn ein F8–Motor wird eingebaut und dazu eine Verstellpropelleranlage Marke Eigenbau. Und das funktioniert sogar alles. Wir gewinnen das Warnemünder Dreieck, die Tonnenregatta und werden bei der Boddenetappenregatta dritter. Christian Claußen verstärkt die Mannschaft. Auch 1986 gewinnen wir die Tonnenregatta aber mit „Leiharbeitern“ wie Dirk Berger und Detlev Andrich. Im Winter werden drei Bolzen von innen durch das Totholz und den gußeisernen Ballast gebohrt (28 mm Durchmesser) Die entsprechenden Langschaftbohrer besorgt Heino Werner aus dem DMR. Eingesetzt werden die Bolzen mit Teerepoxidharz und so weicht die Befürchtung von uns, daß wir irgend wann den Ballast verlieren könnten bei unserer scharfen Segelei. 1987 gewinnen wir das Blaue Band der Warnow und sind auch sonst ganz gut. 1988 tauchen neue Namen auf in der Mannschaft wie Torsten Knuth, Andre Böttcher, Wolfram Schlie. Aber ein 1984 wird es wohl nicht wieder geben, denn das Segelkleid müßte erneuert werden und meine Energie, die ich in das Schiff eingebracht habe reduziere ich durch die Anschaffung eines eigenen Bootes, des Drachens „Sollte See“. Als letzte größere Aktion neben den üblichen Regatten unternehmen wir 1989 eine Tour zur internationalen Haffregatta nach Polen. Geplant war die Reise unter anderem mit unserem Bootsbauer Heinz Behnke. Aus gesundheitlichen Gründen steigt er aus und so nehmen meine Frau Edelgard, unser Sohn Thomas und ich das Rennen auf dem Oderhaff auf gegen auch schon am Tage sehr trink- und gesangesfreudige Segler aus Polen auf. Fünf Tage, fünf Regatten und immer voller Einsatz. Ein vierter Platz, kein Bruch, keine Rammings oder sonstige Blessuren, die es ob der teilweise abenteuerlichen Regelauslegungen ausreichend gab, beendeten diese Saison. Mein „krönender“ Abschluss der SHANTY-Segelei war ein Meniskusschaden beim Abstieg von Bord mit anschließender OP und mehr als sechs Wochen Krankenzeit.

DIE WENDE, ES KANN FREI GESEGELT WERDEN

Dirk Schietke

Leider konnten die Recherchen über diesen Zeitraum, in dem Christian Claußen die Position des Skippers inne hatte, noch nicht abgeschlossen werden. Es bleibt also noch etwas Spannung zum Erscheinen der vollständigen Chronik. Nur soviel sei schon verraten: die Shanty nahm noch mit dem Segelzeic hen „DDR 1“ an der 1. Nach-Wende-Kieler-Woche und am 1. Deutsch-Deutschen Fahrtenseglertreffen in Heiligenhafen teil.

1993 stieg ich bei der SHANTY auf. Meine erste Aktion war der Einbau eines „neuen“ F8- Motors, der aber im selben Jahr wegen Kolbenfressers seinen Geist aufgab. 1994 wurde daraufhin ein uralter gebrauchter Volvo-Penta MD1 eingebaut, den ich zu Ehren von Rudolf Diesel auf den Name „Rudolf“ taufte. !994 fand auch ein längerer Törn nach Stockholm statt. mit über 7 kn im Guldborgsund

DIE SHANTY VON 1997 BIS HEUTE

Dirk Schietke

1997 übernahm ich auf der SHANTY die Funktion des Skippers. In diesem Jahr fanden wegen „Personalmangel“ nur neben den vielen kleinen Törns nach Gedser oder Nysted 2 anderthalbwöchige Törns statt, einer durch das Smålandsfahrwasser, Guldborgsund, und Großen Belt und ein (durch viel Flaute gekennzeichneter) Törn um Rügen. Die obligatorische Teilnahme an der Veteranenregatta gab es natürlich auch. Seit diesem Jahr gibt es auch den alten und umständlich zu bedienenden Spirituskocher mit diversen kleineren Bränden an Bord nicht mehr, er wurde gegen einen modernen Origo- Kocher getauscht.

1998 Im Frühjahr gab es an der SHANTY einiges zu reparieren. Bei unserem Motor Rudolf standen einige Reparaturen an, was wegen nicht mehr erhältlicher Ersatzteile nicht ganz so einfach war. Das Laminat im Übergang vom Kiel zum Ballast mußte auch teilweise erneuert werden. Und es gab endlich ein Stell neue Segel. Wir ließen bei AST in Stettin ein Groß und eine Fock anfertigen. Leider mußte das Groß noch einmal umgearbeitet werden, weil es soviel Verstärkungen erhielt, daß es nicht mehr in die Keep paßte. Deshalb konnte es in dieser Saison noch nicht zu Einsatz kommen. Dieses Jahr sollte endlich wieder ein großer Törn durchgeführt werden, Als Ziel wurden die schwedischen Ostschären und Stockholm auserkoren. Dies war nur mit Crewtausch möglich und ermöglichte Dietmar und Elfriede wieder einmal auf ihrer SHANTY zu segeln. Der Törn führte über Bornholm, die Schären nach Stockholm, von dort durch die Schären bis Loftahammar, nach Gotland, durch den Kalmarsund und mit 3 Sturmtagen in Karlskrona, wo Rudolf endgültig seinen Geist aufgab. Der Motor befindet sich jetzt im Schiffsmotorenmuseum in Rødvig auf Seeland, allerdings war er bis 2002 noch nicht ausgestellt. Wegen der Sturmverzögerung konnten wir dieses Jahr ausnahmsweise nicht an der Veteranenregatta teilnehmen.

1999 Das Hauptproblem war ein neuer Motor, da Rudolf mit vertretbarem Aufwand nicht aufzuarbeiten war. Nach einigem Hin und Her und Dank einiger Spenden wurde im Frühsommer ein Ruggerini MM150 eingebaut, der auf den Namen Rudolpho getauft wurde. Zusätzlich wurde die Elektroanlage komplett erneuert, da sie sehr anfällig geworden war.

Neben Wochenendtörns ging es diese Jahr nach Rügen und durch den Großen Belt, das Kattegatt, den Roskildefjord und den Öresund. 2000 In diesem Jahr fanden neben dem Herrentagstörn und der Veteranenregatta keine größeren Törns statt

2001 wurde der unansehlich gewordene Decksbelag erneuert. Neben kurzen Tagestörns, dem Herrentagstörn und der Veteranenregatta wurde in diesem Jahr nach Rügen und nach Rødvig gesegelt.

2002 In diesem Jahr wurden einige Neuanschaffungen geplant, welche die Bordkasse nicht unbeträchtlich belasteten. Bei AST-Sails in Warnemünde wurden eine neue Genua und ein neuer Spinnaker geordert und im gleichem Atemzug ließen wir in Polen neue Polster anfertigen. Neben den üblichen kleinen Törns ging es dieses Jahr nach Kopenhagen, in den Roskildefjord, durchs Kattegatt und den Großen Belt und im Anschluß gleich zur Veteranenregatta nach Laboe.

Das große Ereignis des 50. SHANTY-Geburtstages warf seine Schatten voraus. Christoph konnte die Tochter des Werftbesitzers und Erbauers der Shanty ausfindig machen und ein paar Fotos der SHANTY in Bau der SHANTY in Fahrt vor Warnemünde erhalten. Außerdem bekamen wir den Zeitraum, in dem der Kiel der Shanty gestreckt wurde, nämlich vom21.9. bis 27.9., also schon im Jahre 2002 ein Grund zum Feiern.

Der Anfang des Jahres 2003 war geprägt von SHANTY’s 50. Geburtstag. Dazu sollte die SHANTY natürlich schick aussehen. So wurde das Waschbord komplett abgezogen und geölt, die Scheuerleisten (unter komplizierten meteorologischen Bedingungen) erneuert. Die Motorelektrik überholt und endlich Niedergangsleiter erneuert, die leider zum Geburtstag noch nicht fertig wurde. Im Sommer gab es einen Törn Rund Fünen mit anschließender Teilnahme an der Veteranenregatta. Im Herbst gab es zwei Pannen beim Mastlegen und Slippen, was zum Glück ohne Personenund nur mit geringem Sachschaden abging (beim Mastlegen riß der Vorläufer des Kranseiles, die Jumpstagspreize verfing sich aber im Schäkel des Kranes und die SHANTY wäre bei einer Notbremsung beinahe aus dem Slipwagen gerutscht).

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